| Die letzte Schlacht um die Berggorillas im Kongo |
|
 |
|
| Die schlimmsten Befürchtungen scheinen Wirklichkeit zu werden. Gerade kehrte der Künstler und Filmer Matto Barfuss aus dem Kongo zurück, wo er 2005/2006 einen Dokumentarfilm über die Berggorillas und deren Schutz gedreht hat. |
In diesem Jahr wurden bereits 11 habituierte Gorillas getötet. Die traurige Bilanz begann im Januar mit der Ermordung zweier Silberrücken. Im Juni folgten zwei Gorillafrauen und ein weiteres Baby. Dann kam der 22 Juli, an dem die Rugendofamilie durch das Massaker an insgesamt 6 Gorillas quasi ausgelöscht wurde. Seither überschlagen sich die Ereignisse. In den Morgenstunden des 4. September wurden alle Rangerstationen am Waldrand des Virunga-Nationalparks von Rebellen eingenommen. Spätere Versuche der Ranger, trotzdem nach den Gorillas zu schauen, endeten frühzeitig, da sie sofort beschossen wurden. Seit Ausbruch des Krieges im Jahre 1996 wurden bereits über 150 Ranger erschossen. In der ersten Septemberhälfte wurde sogar der Wald der Gorillas bombardiert, als die kongolesische Armee versuchte die Rebellen des abtrünnigen Generals Nkunda zu bekämpfen. Seither ist die Situation unklar. Fakt ist, dass die Ranger den wichtigen Schutz der Berggorillas einstellen mussten.
Die gerade zu Ende gegangene Reise fand unter extrem schwierigen und gefährlichen Bedingungen statt. Sämtliche Hilfsgüter mussten über die Grenze in den Kongo geschmuggelt werden. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Rangern und mit Mittelsmännern, konnte Matto Barfuss Gespräche mit allen derzeit vor Ort tätigen Organisationen führen und danach von bewaffneten Rangern eskortiert das Hauptquartier der Ranger in der Rutschuruebene unterhalb des Virunga-Nationalparks erreichen. Dort wurden alle Rangerpatrouillen mit Ferngläsern und Spektiven zur Gebietsüberwachung ausgestattet und mit den Leuten vor Ort weitere dringende Maßnahmen beschlossen. So sollen weitere Hilfsmittel (wie z.B. GPS-Systeme, Videokameras) zur Ergreifung von nach wie vor zahlreichen Wilderern und Händlern zur Verfügung gestellt werden und Aufzeichnungsmethoden zur Beweisführung bei einem solchen Vergehen verbessert werden. Gerade in der vergangenen Woche wurden wieder zwei Wilderer gestellt, als sie versuchten ein Gorillababy nach Uganda auszuführen. Leider war das Baby schon tot. Aufgrund der noch schlechten Beweisführung kommen diese Kriminellen in der Regel ungeschoren davon.
Leider war es für Matto Barfuss und seine Lebensgefährtin Kerstin Noack nicht möglich, in den Wald der Gorillas vorzudringen. Die Situation ist lebensgefährlich und der Wald ist weiträumig militärisch abgeschirmt. Zum Teil waren Bombardements zu hören. So blieb den beiden nur, die Gräber der getöteten Gorillas zu besuchen - ein sehr trauriger Moment, da sie doch die Gorillas in all ihrer Lebensfreude in ihrem Film-"Gorillafieber im Kongo" dokumentierten.
Aufgrund der Verwandtschaft mit Rebellensoldaten können zwei Ranger im Bereich der Rangerstation Djomba gelegentlich nach den dortigen Gorillafamilien suchen. Über Funk berichteten sie von der Gorillafamilie Mapua, die derzeit aus 12 Gorillas besteht (2006: 15 Gorillas). Für einige Tage verweilten auch die 5 verbliebenen Gorillas der Rugendo-Familie in dem Gebiet. Seit dem 1. Oktober sind sie verschwunden. Aufgrund der gelegentlichen Beobachtungen weiss man, dass die Rugendofamilie nach wie vor enorme Wegstrecken zurücklegt. Dabei tragen die stärkeren Gorillas die geschwächten, was für den unglaublichen Zusammenhalt der Familie spricht. Allerdings vermeidet es die Familie immer noch in den Wald zurückzukehren und lebt auf den Feldern besonders gefährlich. Über den Zustand der weiteren Familien ist seit Ausbruch des Krieges im "Gorillawald" nichts mehr bekannt. Letzte Beobachtungen Ende August, als die Situation sich zuspitzte, ergaben, dass die Gorilla ungewöhnliche Verhaltensweisen an den Tag legen. Eine Familie tötete ihr neugeborenes Baby und scheint sich derzeit aufzulösen.
Im Zuge ihrer Reise konnten Matto Barfuss und Kerstin Noack auch das überlebende Baby "Ndeze" aus der Rugendo-Familie besuchen. Es lebt derzeit in Quarantäne in einer Station des DFGFI in Goma. Dort lebt ein weiteres gerettetes Baby "Ndakasi" (Mutter wurde am 8. Juni getötet). Dieses litt bis vor kurzen an einer gefährlichen Lungenentzündung, so dass beide Gorillas nur aus der Distanz in Quarantäne beobachtet werden konnten.
Wenigstens konnten Matto Barfuss und Kerstin Noack den Rangern ein wenig Zuversicht und Hoffnung zurücklassen. Zur Übergabe der Hilfsgüter organisierten die zwei eine feierliche Zeremonie mit Bananenbier und Softdrinks und vereinbarten den ständigen Austausch von Informationen.
|
 |
|
|
|
| Matto und Kerstin übergeben die Hilfsgüter |
|
|
| Matto und Innocent testen ein Spektiv von Carl Zeiss |
|
|
| Innocent zeigt eine Vielzahl von gefährlichen Schlingen, die in nur 4 Wochen gefunden wurden. |
|
|
| Der stellvertretende Chiefranger mit einige der gestifteten Ferngläser. |
|
|
| Alle Rangerpatrouillen sind zur Übergabe in das Hauptquartier nach Rumangabo gekommen. |
|
|